Gewaltfreie Kommunikation in der Kita – warum sie ein Schlüssel für echte Beziehung sein kann
- Matthias Wald
- 20. Mai 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Juni 2025
Die Kita ist nicht nur ein Ort der Betreuung – sie ist ein Stück Lebensraum. Hier machen Kinder ihre ersten sozialen Erfahrungen außerhalb der Familie. Sie lernen: Wie gehe ich mit anderen um? Wie werde ich gehört? Und: Darf ich so sein, wie ich bin – auch mit starken Gefühlen?
Im Alltag prallen hier viele Bedürfnisse aufeinander: Die der Kinder, der Erzieher*innen, der Eltern – und oft auch die der Einrichtung selbst. Zeitdruck, Lautstärke, Erwartungshaltungen. Kein Wunder, dass dann manchmal das funktioniert, was „funktioniert“: Kinder, die leise sind, werden gelobt. Kinder, die laut sind, werden schnell beruhigt. Aber was bleibt dabei auf der Strecke? Echtes Verstehen. Beziehung. Entwicklung auf Augenhöhe.
Hier setzt die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) an.
Sie bietet eine klare Struktur – aber sie ist kein Schema. Sie ist eine Haltung. Eine Einladung, auch im Trubel in Verbindung zu bleiben: mit sich selbst und mit dem Gegenüber. Das gilt für das Team, für die Elternarbeit – und vor allem im Kontakt mit den Kindern.
Die vier Schritte der GfK machen das möglich:
Beobachten statt bewerten – Ich sage, was ich sehe, ohne zu urteilen. Zum Beispiel: „Du hast gerade das Spielzeug vom anderen Kind genommen.“
Gefühle ernst nehmen – Ich frage: „Wie fühlst du dich gerade?“ und benenne meine eigenen Gefühle klar: „Ich bin angespannt, weil es laut ist.“
Bedürfnisse erkennen – Hinter jedem Gefühl steckt ein Bedürfnis. Vielleicht geht’s um Sicherheit, Autonomie, Verbindung.
Bitten statt fordern – Ich formuliere klare Bitten, keine Befehle. So lernen Kinder: Ich darf Wünsche äußern – und andere auch.
Konsequent statt Konsequenzen
Ein wichtiger Punkt dabei: Wir brauchen keine angedrohten „Konsequenzen“, um Grenzen zu setzen. Kinder lernen mehr aus echten, nachvollziehbaren Konsequenzen als aus Strafen.
„Konsequent sein“ heißt: Ich stehe zu dem, was mir wichtig ist, ohne den anderen abzuwerten.
Zum Beispiel: „Ich sehe, du willst jetzt nicht aufräumen. Ich brauche aber Ordnung, um den Raum für die nächste Gruppe vorzubereiten. Ich fange schon mal an – du kannst mitmachen, wenn du soweit bist.“
Das ist klar, ehrlich – und lässt trotzdem Verbindung zu.
Loben, das verbindet
Auch beim Loben macht GfK einen Unterschied. Statt ein pauschales „Super gemacht!“ geht’s um echtes Wahrnehmen:
„Du hast gerade ganz in Ruhe gewartet, bis du dran bist – das hat mich beeindruckt, weil ich sehe, wie viel Geduld du aufgebracht hast.“
So erfahren Kinder: Ich werde gesehen für das, was ich tue – nicht nur bewertet. Das stärkt ihr Selbstbild, nicht ihre Abhängigkeit vom Urteil anderer.
Was verändert sich dadurch?
Kinder spüren: Ich werde gesehen, auch wenn ich laut bin.
Erzieher*innen merken: Ich kann Grenzen setzen, ohne hart zu werden.
Lob wird zu echter Wertschätzung.
Das Miteinander wird klarer – weniger Kampf, mehr Kontakt.
Gefühle werden nicht wegerzogen, sondern begleitet.
GfK heißt nicht, dass alles harmonisch läuft. Aber sie gibt eine Sprache, um mit Reibung so umzugehen, dass Entwicklung möglich bleibt – bei den Kindern und bei uns selbst.

Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf: In der Kita bleiben 'echtes Verstehen' und 'Beziehung' oft auf der Strecke. Die GfK als Haltung zu etablieren, um trotz Trubel in Verbindung zu bleiben, ist hier der Schlüssel. Es ist entscheidend, nicht nur auf Konflikte zu reagieren, sondern proaktiv eine Atmosphäre des gegenseitigen Respekts und der Anerkennung zu schaffen. Das beginnt mit der echten Wahrnehmung individueller Bedürfnisse und Gefühle. Die GfK bietet eine klare Struktur dafür, doch oft fragt man sich, wie Wertschätzung und Zugehörigkeit so kommuniziert werden können, dass sie beim Gegenüber auch wirklich ankommen. Für ein tieferes Verständnis, wie Kinder – und auch Erwachsene – sich geliebt und wertgeschätzt fühlen, kann es sehr aufschlussreich sein, die verschiedenen Liebessprachen zu…