GFK in der Kita – und warum sie auch ins Büro gehört
- Matthias Wald
- 1. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Vorurteile über GFK – „Das ist doch nur was für Kinder?“
Wenn ich von Gewaltfreier Kommunikation (GFK) erzähle, höre ich oft: „Ach, das ist doch bestimmt gut für Kinder.“ Niemand möchte Gewalt mit Kindern verbinden, deshalb klingt das erstmal logisch. Doch sobald ich erkläre, worum es wirklich geht, rollen manche die Augen. Vielleicht, weil GFK auf den ersten Blick nach großem Aufwand klingt – und wir uns fragen: „Brauche ich das wirklich?“
Warum wir zögern
Als Eltern oder Führungskräfte – ob in einer Kita oder im Büro – fragen wir uns oft, ob sich eine Veränderung lohnt. Schließlich funktioniert es ja „irgendwie“ schon. Dazu kommen unsere eigenen Erfahrungen und die Art, wie wir erzogen wurden. Glaubenssätze, die tief sitzen. Kein Wunder also, dass GFK zunächst wie eine zusätzliche Belastung wirken kann.
Eine Entscheidung im Hier und Jetzt
Ein guter Freund hat mir einmal gesagt: „GFK ist nichts, worauf wir warten müssen – wir können uns sofort dafür entscheiden.“ Und genau das ist der Punkt. GFK braucht keine Vorschrift von oben. Sie beginnt bei uns selbst, in jedem Moment.
Was wäre, wenn …?
Stell dir einmal vor, wir würden im Büro oder in der Kita nicht davon ausgehen, dass andere (Mitarbeitende, Kunden, Kollegen oder Kinder) absichtlich gegen uns handeln. Stattdessen würden wir uns fragen: „Warum triggert mich dieses Verhalten gerade?“ Der nächste Schritt wäre: Situationen beobachten, nicht sofort beurteilen. Danach kommen wir ins Verständnis mit dem Gegenüber.
Das verändert alles: Wir treten in Verbindung – und plötzlich lösen sich Konflikte, ohne Mediation oder ohne endlose CC-Mail-Ketten voller Vorwürfe.
Vom Reiz zur Chance
Wenn wir bei uns selbst anfangen, entkommen wir dem automatischen Reflex von Schuldzuweisung oder Verteidigung. Wir bemerken: „Ich bin wütend, weil mir Klarheit wichtig ist.“ Diese Ehrlichkeit schafft Raum für Dialog.
Was Kinder dabei lernen
Auch im Kita-Alltag dürfen wir Gefühle und Bedürfnisse haben – und sie äußern. Kinder, die das erleben, lernen zwei Dinge fürs Leben:
Alle Gefühle sind okay.
Ich darf Verantwortung für meine Bedürfnisse übernehmen.
Was für eine Welt wäre das, wenn Kinder das von klein auf mitbekommen.
Ein Blick in die Zukunft
Stellen wir uns eine Welt vor, in der Menschen ihre Gefühle nicht unterdrücken, sondern als Wegweiser verstehen. Eine Welt, in der wir wissen: Ich bin selbst verantwortlich für meine Bedürfnisse, nicht mein Umfeld. (Unabhängig von Zeit, Ort, Dingen oder Personen)
Das ist keine ferne Utopie – es beginnt in unseren Kitas, in unseren Teams, in uns selbst.
Dein nächster Schritt
Was würde sich in deinem Kita-Alltag oder Büro verändern, wenn du morgen anfängst, Situationen nur zu beobachten, statt sofort zu bewerten?Probier es aus – und erzähl mir gerne, welche Erfahrung du machst. Ich freue mich, deine Gedanken zu lesen und mit dir ins Gespräch zu kommen.



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